Schon beim Gang vom Bahnhof zur Unterkunft beeindruckt die Schönheit Weimars die Mitglieder des Leistungskurses Deutsch der MSS13, die sich nach den schriftlichen Abiturprüfungen vom 6. bis 8. März 2026 noch einmal gemeinsam auf Fahrt begeben haben. Bestes Frühlingswetter lädt zum Spazieren durch die Stadt und den weitläufigen Park an der Ilm ein.
Der erste Programmpunkt lenkt die Aufmerksamkeit dann jedoch schnell auf die dunklen Seiten Weimars. Denn nur wenige Busminuten entfernt, auf dem Ettersberg, befindet sich die Gedenkstätte Buchenwald. Hier sind die Kursmitglieder mit unzähligen Schicksalen, der im Konzentrationslager während der Zeit des Nationalsozialismus Gefangenen und Ermordeten konfrontiert. Und auch das verachtende Menschenbild der Lagerkommandanten und ihrer Helfer wird in einer Ausstellung ausführlich dokumentiert. Schnell wird deutlich, wie leicht die Weimarer Hochkultur missbraucht werden konnte, um solches Unrecht zu rechtfertigen und zu stützen.
Diese Eindrücke sind nur schwer mit der zu Füßen des Berges gelegenen hübschen Innenstadt zu vereinbaren, deren herausgeputzte Fassaden vor diesem Hintergrund nur noch mit Skepsis wahrgenommen werden.
Auch der erste Rundgang durch das schon abendliche Weimar macht deutlich, dass hier alle Phasen der deutschen Literatur-, Kulturgeschichte und Historie eng aufeinandertreffen: das repräsentative Wohnhaus Goethes, die immer größer werdenden Wohnorte Schillers, die doch nie an Goethes Reichtum heranreichen, das Wittumspalais, die Herder-Kirche, das Haus der Frau von Stein, der Marktplatz, auf dem neben dem Cranachhaus, das Rathaus und das „Hotel Elephant“ (von Hitler für seine Propagandaauftritte mit einem Balkon versehen) zu finden sind; eine Straße weiter dann wiederum die überwältigende Anna-Amalia-Bibliothek. Ein Wechselbad der Gefühle!
Am zweiten Tag hingegen wandelt der Kurs fast ganz auf den Spuren des „Faust“. Morgens gibt es eine Führung durch das Nationalmuseum und einen Gang durch das Haus Goethes, anschließend werden in Kleingruppen je nach Interesse weitere Sehenswürdigkeiten (z.B. das Bauhaus-Museum) erkundet, bevor am Abend eine Inszenierung des „Faust“ im „Theater im Gewölbe“ auf dem Programm steht. Goethes Universalstück wird hier auf drei Figuren (Faust, Mephisto, Gretchen) reduziert und mit einfacher Technik von zwei Schauspielern gekonnt auf die winzige Bühne gebracht. Ein ganz besonderer Theaterabend, zumal sich die beiden Schauspieler anschließend noch mit viel Geduld, Witz und Auskunftwillen den Fragen des Publikums stellen.
Vor der Abreise, die zu schnell heranrückt, besichtigten die Kursmitglieder am dritten Tag die Bibliothek der Anna-Amalia, bestaunen den historischen Lesesaal, informieren sich über die Restaurierung der beim großen Brand zerstörten wertvollen Bände und erfahren in einer Ausstellung über „Cranachs Bilderfluten“ wie sehr Werbestrategien der aufkommenden Reformation heutigen social media-Phänomenen ähneln. Nach einem letzten Gang durch den Park an der Ilm muss dann aber auch schon die Rückfahrt angetreten werden. Die Zeit, in der die Kursmitglieder gemeinsam Literatur und Kultur erkunden konnten, ist damit leider endgültig vorbei.


