Holocaust-Überlebende Henriette Kretz im Gespräch mit Schüler*innen

Mehr als 50 Schüler*innen aus den Jahrgangsstufen 9 bis 12 nutzten die vielleicht letzte Gelegenheit, mit einer jüdischen Zeitzeugin ins Gespräch zu kommen, die das Glück hatte, dem Nazi-Terror zu entkommen und zu überleben: Henriette Kretz, geboren 1934 in Ostpolen, aufgewachsen in Lemberg, in der heutigen Ukraine.

Sie war online aus ihrem heutigen Wohnort Antwerpen in Belgien zugeschaltet. Organisiert hatte den Nachmittag Frau Stephanie Roth vom Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg. Das Gespräch fand auf Deutsch statt.

Frau Kretz spricht acht Sprachen, deutsch gehört für sie selbstverständlich dazu, denn Deutschland stand damals für sie und Ihre Familie für das Land in Europa mit der höchsten Zivilisation. Dass Deutsche einen Krieg anfangen und die Zivilisation mit Füßen treten würde, konnten sie sich anfangs alle nicht vorstellen: „Die deutschen Soldaten wirkten wie sympathische Burschen!“ Doch dann kam alles anders. Die Eltern, der Vater Arzt, die Mutter Anwältin, mussten fliehen, und wurden bei mutigen Menschen versteckt. Nach einem Winter in einem Kohlenkeller im Dunklen war ein warmer Dachboden mit Luft und Licht das Paradies – so hofften sie wenigstens. Die Säuberungsaktionen der Nazis machten jedoch auch vor ihnen  nicht halt. Henriette Kretz musste als Kind erleben, wie ihre Eltern vor ihren Augen erschossen wurden. „Ich fühlte mich wie der einsamste Mensch auf der Welt, wie ein Mensch auf einem anderen Planeten.“ Sie floh und fand als Jüdin Aufnahme in einem christlichen Waisenhaus, in dem sie bis zum Ende des Krieges versteckt wurde.

Echte Zivilisation bedeutet für Frau Kretz ein gutes Zusammenleben für alle Menschen, die alle die gleichen Rechte und Lebensmöglichkeiten haben. Dafür gelte es sich einzusetzen, so ihr Appell an die Zuhörer*innen. Hass verspüre sie nicht. „Ich habe gelernt, nicht zu hassen. Hass ist etwas wie die Augenklappen bei Pferden. Lasst euch nie sagen, wie ihr zu denken habt. Damals hieß es: Hitler denkt für euch. Denken Sie selbst.“ Mehr als vierzig Jahre hat sie nicht über ihre Erlebnisse sprechen können, so traumatisiert war sie. Nun aber sei es wichtig davon zu berichten, damit solche Unmenschlichkeiten nicht wieder möglich werden.


Foto: Olaf Kosinsky (kosinsky.eu) Lizenz: CC BY-SA 3.0-de

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