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Schlimmer als die Abgase? Das Problem mit den Autoreifen

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Schlimmer als die Abgase? Das Problem mit den Autoreifen

Die zahlreichen Beiträge in den sozialen Netzwerken bezüglich des Mikroplastiks in Kosmetikartikeln und Textilien haben bereits viele Menschen für diese Problematik sensibilisiert. Dennoch wissen nur wenige, dass die Autoreifen die Hauptquellen des Mikroplastiks sind.

Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen gelangen jährlich 330 000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt in Deutschland. Dabei verursacht der Reifenabrieb mit 110 000 Tonnen ein Drittel der gesamten Mikroplastik-Emissionen und ist damit der Hauptverursacher für Mikroplastik (Platz 1 der Studie). Durchschnittlich produziert, der Studie zufolge, jeder Bürger Deutschlands 998.0 Gramm Mikroplastik-Abrieb jährlich. Angesichts von 64.8 Millionen zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland (Stand Januar 2019) verwundert dies nur wenig, denn Reifen nutzen sich im Laufe ihrer Lebensdauer bezüglich des Umfangs stark ab. Ein Autoreifen, der durchschnittlich 40 000 km hält, wiegt dann schließlich 1 kg bis 1.5 kg weniger. Dennoch sorgt der natürliche Abrieb für einen besseren Halt auf der Straße und das man auch bei höherer Geschwindigkeit nicht aus der Kurve fliegt.

Der feste Halt auf dem Asphalt hat aber seinen Preis, denn durch die Reibung auf der Straße wird das Gummi im Reifen aufgeraut und es lösen sich einzelne Gummipartikel ab, die dann auf der Straße liegen bleiben. Diese hochgiftigen, krebserregenden Substanzen (Zink, Blei, Cadmium, Weichmacher,…), die freigesetzt werden, reichern sich in der Natur an ohne sich zu zersetzen. Auch die Organismen, welche die Substanzen aufnehmen, sind nicht in der Lage diese abzubauen und werden gesundheitlich stark belastet. Das Mikroplastik gelangt dann über das Niederschlagswasser in die Böden und in die Kanalisation. Zwar halten die Kläranlagen 95% des Mikroplastiks zurück, doch durch die Nutzung des Klärschlamms als Düngemittel in der Landwirtschaft wird das Mikroplastik wieder in die Umwelt freigesetzt. Außerdem nehmen die Tiere, aber auch der Mensch, die giftigen Partikel in Form von Feinstaub über die Atemluft auf.

Wie können Autofahrer nun aber mithelfen den Reifenabrieb und damit die Umweltbelastung möglichst gering zu halten? 

Grundsätzlich gilt das Auto öfters stehen zu lassen und häufiger zu Fuß zu gehen oder die öffentlichen Verkehrsmittel und das Fahrrad zu nutzen. Ist man aber auf das Auto angewiesen, so sollte der Verbraucher beim Reifenkauf auf die Langlebigkeit und Qualität des Reifens achten. Zudem ist es sinnvoll kräftiges Beschleunigen und Bremsen, aber auch riskante Fahrmanöver, zu vermeiden. Dabei minimiert man einerseits den Reifenabrieb und schützt andererseits die Mitmenschen.

Die Politik muss den Herstellern Anweisungen geben

Um den Reifenabrieb zu reduzieren, müssen die Reifenhersteller verpflichtet werden recyclingfreundliche Produkte zu verwenden, die gleichzeitig einen geringen Belastungsfaktor für die Umwelt darstellen. Zwar forschen die Hersteller bereits an der Produktion eines luftlosen Reifens aus abbaubarem Recyclingmaterial, aber die Massenproduktion wäre erst in einigen Jahren möglich. Außerdem ist für die Minimierung des Reifenabriebs eine Optimierung der Verkehrsführung notwendig. So bedarf es einer durchdachten Straßenführung und einer intelligenten Ampelschaltung, sodass der Verkehrsfluss erhalten bleibt und der Stop-and-go-Verkehr weitestgehend vermieden wird. Weiterhin arbeitet man an einer verbesserten Straßenreinigung mit einem speziellen Filter-System, welches das Mikroplastik erkennt und aussortiert. Dennoch würden mehr Straßenreinigungs-Einsätze zu einem verstärkten CO2-Ausstoß führen.

 

 

Ein Beitrag von Alena Andrae

 

 

Quellen:

https://pixabay.com/de/photos/bremsspur-asphalt-strasse-bremsweg-567668/

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mikroplastik-der-groesste-verursacher-sind-autoreifen-a-1226400.html

https://www.mdr.de/wissen/mehr-mikroplastik-durch-reifenabrieb-als-durch-kosmetik-und-kleidung-100.html

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/autoreifen-sind-mikroplastik-verursacher-nummer-eins

https://bmbf-plastik.de/de/publikation/kunststoffe-der-umwelt-mikro-und-makroplastik

https://www.hauraton.de/de/aktuelles/produkte/drainfix_clean.php

https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/bestand_node.html

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