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Politik zu Plastiktüten

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Politik zu Plastiktüten

Politik in Deutschland

In vielen Ländern weltweit sind Plastiktüten im Einzelhandel schon lange verboten oder kostenpflichtig. Doch in Deutschland hat die Regierung viel zu spät eingegriffen. Erst im November 2019 hat das Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf verabschiedet, welcher Plastiktüten im Einzelhandel künftig kostenpflichtig machen soll. Somit soll der Verbrauch, welcher 2018 noch bei 20 pro Kopf lag weiter sinken. Mit einem weiteren starken Absinken der Zahlen rechnen Experten allerdings nicht, da der neue Gesetzesentwurf keine großartige Änderung zu der bereits bestehenden Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Umwelt (BMU) und großen Teilen des Handels darstellt. Diese Vereinbarung war zwar freiwillig doch war der Grund dafür, warum der Verbrauch von Plastiktüten so drastisch gesunken ist (2015 noch 68 Plastiktüten pro Kopf).

EU-Politik

Maximilian Böhm (23.02.20)

Im EU-weiten Vergleich zählte Deutschland 2015 mit damals noch 71 Plastiktüten pro Kopf und Jahr zu den Ländern die besser abgeschnitten haben, nur Österreich, Luxemburg und Irland konnten besser abschneiden. Bis 2025 soll in jedem Mitgliedsstaat der Verbrauch auf 40 Plastiktüten pro Kopf und Jahr sinken, dieses Ziel hatte die Bundesrepublik bereits 2017 durch die Vereinbarung zwischen Regierung und Einzelhandelsketten erreicht. Wie die Länder das Ziel der 40 Plastiktüten erreichen ist ihnen selbst überlassen. Viele Mitgliedsstaaten setzen allerdings auf die Kostenpflichtigkeit für Plastiktüten. In Irland hat das den Verbrauch binnen weniger Jahre von 328 Plastiktüten pro Kopf auf die 2015 erreichten 18 reduziert, denn in Irland kosten Plastiktüten 44 Cent. Durch solch eine Preiserhebung für Plastiktüten könnten auch Länder, wie Bulgarien und Tschechien, welche momentan noch fernab vom Kurs sind bis 2025 die Vorgaben erfüllen oder zumindest nah herankommen.

Ein komplettes Verbot scheint es aber in der EU oder der Bundesrepublik in nächster Zeit nicht zu geben. Hier sind uns Länder, wie Ruanda weit voraus. In Ruandasind Plastiktüten seit 2008 strikt Verboten. Das ostafrikanische Land war ein Vorreiter für viele andere ostafrikanische Länder. Mittlerweile sind Kenia, Tansania, Uganda, Äthiopien und Eritrea nachgezogen. Ruanda verbot damals die Tüten, weil die Vermüllung der Straßen und Flüsse überhand nahm. Die umherfliegenden Plastiktüten, welche in Bäumen hingen und in Straßengräben lagen nannte man „African Flowers“. Doch heute sind die Straßen im ostafrikanischen Land nahezu Plastikmüll frei und die Hauptstadt Kigali gilt als die sauberste Stadt Afrikas. Aber warum schaffen es Entwicklungsländer wie Ruanda bei dem Problem der Plastikvermüllung hart durchzugreifen und Industrienationen wie Deutschland nicht?

Weltweiter Vergleich

Maximilian Böhm (23.02.20)

In der Grafik sieht man, dass in Afrika das strikte Verbot stark (hier rot markiert) weit verbreitet ist, währenddessen man in Europa vermehrt auf eine Kostenpflichtigkeit der Tüten setzt (gelb markiert). In sowohl Nord- als auch Südamerika gibt es in vielen Ländern kein flächendeckendes Verbot, hier setzt man auf regionale Regelungen (blau markiert). In Asien hingegen lässt sich kein Muster erkennen, hier gibt es vom Verbot, bis zur Kostenpflichtigkeit alles oder Kombinationen (dunkelgrau), wie in China und Indien.

Ein Grund dafür, warum in der EU kein striktes Verbot herrscht ist wahrscheinlich, dass hinter den Plastiktüten eine zu große Lobby steht und zu viele Wirtschaftszweige immernoch stark von Plastikverpackungen und -tüten abhängig sind. Auch möchte die EU den Staaten hier wahrscheinlich kein Verbot aufbrummen und lässt sie es lieber selber Regeln. Statt eines Verbotes versucht die EU das Problem der Plastikvermüllung also über Normen und Vorgaben zu bekämpfen.

Optionen zu Plastiktüten

Was sind aber unsere Optionen zu den herkömmlichen Plastiktüten? Sind es wirklich Papiertüten und Stoffbeutel? Eine gute Alternative ist der Stoffbeutel, doch der ist auch nur dann eine Alternative, wenn er mehrmals oder regelmäßig benutzt wird, denn bei einer einmaligen Benutzung ist er umweltschädlicher als der Plastikbeutel. Papiertüten hingegen gelten nicht unbedingt als umweltfreundlicher. Sie sind eben auch nur ein Einwegprodukt und somit nicht besser als die Plastiktüte, deswegen auch hiervon die Finger weg an der Kasse und sich lieber eine Stofftasche kaufen (Rewe bietet z.B. beides an). Ebenfalls keine gute Option sind Bio-Plastiktüten, sie sind nämlich nicht im hauseigenen Kompost abbaubar, wie von vielen Leuten vermutet, sondern müssen im Kompostierwerk bei hohen Temperaturen kompostiert werden. Das Problem bei diesen Tüten ist nur, dass sie dort von den Maschinen oft als Störstoff gesehen werden und wieder aussortiert werden. Kommt die Tüte nun aber in den normalen Plastikmüll kann sie auch nicht verarbeitet werden, da sie nicht aus herkömmlichen Plastik besteht. Alles in allem ist das mit den Bio-Plastiktüten sehr kompliziert und unsicher, weshalb man lieber auf sie verzichten sollte. Wenn man aber komplett auf eine Tüte verzichten will, geht man am besten mit Rucksack einkaufen, das ist immer noch die umweltfreundlichste Art und Weise um die gekauften Lebensmittel zu transportieren.

Quellen

zeit.de

bmu.de

dw.com

elisabethgreen.com

utopia.de

tagesschau.de

gemeinsam-fuer-afrika.de

haz.de

(alle am 23.02.20)

 

von Maximilian Böhm

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