Bad Kreuznach, Gymnasium am Römerkastell
0671 66464
info@roeka-kh.de

Der Unverpackt-Laden

Created with Sketch.

Der Unverpackt-Laden

Steigender Plastikkonsum

Jährlich verbraucht jeder EU-Bürger rund 24 Kilogramm Plastik (Quelle: 3sat). In Deutschland sind es sogar 38 Kilogramm ( Stand 2016, Tendenz steigend), was uns zu einem der größten Plastikmüll Verursachern in Europa macht. Wir alle kennen die zahlreichen Risiken und Problematiken, denn wir werden fast täglich mit diesem Thema konfrontiert. Sei es über soziale Netzwerke, über Nachrichten oder direkt auf offener Straße während einer Friday’s for future Demonstration. Doch nur ein Bruchteil unternimmt wirklich etwas gegen den starken Plastikkonsum, obwohl man schon mit kleinen Schritten Großes bewirken kann. Mit steigendem Wohlstand steigt auch der Massenkonsum und somit unser Abfallaufkommen. Wenn wir uns nun mal näher den von uns produzierten Plastikmüll anschauen, so fällt auf, dass darunter vor allem Lebensmittel- und Drogerieverpackungen fallen. Nun stellt sich also die Frage, wie man diesen Müll verringern oder gar komplett vermeiden kann. Eine Lösung bieten die Unverpackt-Läden.

Was ist überhaupt ein Unverpackt-Laden und wie funktioniert der Einkauf?

Die Unverpackt-Läden unterscheiden sich vor allem in einem Punkt von den herkömmlichen Supermärkten: Produkte werden frei von Verpackungen und somit lose angeboten. Das bedeutet, dass man seine eigenen Behälter mitbringt, sie im Laden abwiegt, mit den gewünschten Artikeln befüllt und diese anschließend bezahlt. An der Kasse wird der Behälter nochmals gewogen und das Gewicht des Leerbehälters von dem Gesamtgewicht abgezogen. Es wird also nur der reine Warenwert bezahlt und es fällt gar kein Müll an. Nachhaltiges Einkaufen ist also gar nicht so kompliziert wie man es vielleicht zu anfangs vermutet.
Um einen näheren Blick auf die Unverpackt-Läden zu werfen, habe ich den Unverpackt-Laden in Bad Kreuznach besucht, dort traf ich die Geschäftsinhaberin Anika Kolb. Dieser wurde im Jahr 2018 eröffnet und befindet sich in der Zimmergasse 4. Das Angebot reicht von frischem Obst und Gemüse über Trockenwaren wie Nudeln oder Müsli bis hin zu flüssigen Produkten wie Wein und Öle. Außerdem gibt es ein wirklich großes Sortiment an Drogerieprodukten, wozu z.B Zahnputztabletten, Haarseifen, Deo Cremes, Konjac-Schwämme und noch vieles mehr zählen. Produkte wie Marmelade, Honig, Dips, Brotaufstriche und Joghurt sind bereits im Glas verpackt, da sie sich nicht zum Abfüllen im Laden eignen.

 

Eigene Aufnahme, Bad Kreuznach den 07.02.20

 

Nähere Details zum Einkauf

Vor Ort erfahre ich, dass die Waren zum größten Teil in Bio-Qualität angeboten werden, regional, saisonal und sogar Fair Trade sind. Somit ist es also möglich guten Gewissens einzukaufen, die Dimensionen der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen und sich vor allem gesund zu ernähren. Milch und Quark z.B. kommen aus Kirn, Getreide und Eier aus Weinsheim oder dem Hunsrück. Die Regionalität sorgt nicht nur dafür, dass kleinere Betriebe aus der Umgebung unterstützt werden, sie verringert auch die Transportwege bzw. -kosten und steigert die Frische. Auf diese Weise wird unsere Umwelt weniger belastet und die Vorstellung, zu wissen woher seine Nahrungsmittel herkommen, ist meiner Meinung nach sehr schön. Zu 80% werden die Waren in Kartonagen oder Papiersäcken geliefert, zu 10% in Pfandkanistern und zu weiteren 10% in Plastiksäcken. Diese Werte sind keineswegs mit denen eines Supermarktes zu vergleichen und man muss auch noch hinzufügen, dass die Prozentzahl der Pfandkanister immer mehr ansteigt und die der Plastiksäcke sinkt. Die Inhaberin des Ladens erzählt mit außerdem, dass der Laden nur über eine gelbe Tonne verfügt und selbst diese in einem Monat nie voll wird. Dieses Ergebnis ist wirklich erstrebenswert und sollte ein Vorbild für alle Supermärkte sein. Ein weiterer Vorteil des Unverpackt-Ladens sind die Drogerieprodukte, welche weder Mikroplastik noch Parabene enthalten und auch nicht an Tieren getestet wurden. Die Inhaltsstoffe der Produkte sind übersichtlich und auf wenige beschränkt, sodass man sich diese gut durchlesen kann (Beispiel Haarseife Nelke-Teebaum). Herkömmliche Shampoos, welche zusätzlich noch in Plastikfalschen gefüllt sind, enthalten eine ewig lange Liste an Inhaltsstoffen, mit welchen niemand so wirklich etwas anfangen kann (Beispiel Öl Magique Shampoo von L’ORÉAL Paris). Neben den Haarseifen zählen auch Müsli, Süßigkeiten oder Nudeln zu den Bestsellern des Unverpackt-Ladens. Des weiteren informiere ich mich über den Kundenkreis des Ladens und erfahre, dass die Bandbreite von jung bis alt und von arm bis reich reicht. Es ist also jedem einzelnen von uns möglich nachhaltig und umweltbewusst einzukaufen. Schließlich gibt ein Großteil der Menschen in Deutschland ein halbes Vermögen für ein neues Smartphone aus, das auch nur so lange ausreichend ist, bis wieder das neuste auf dem Markt erscheint. Da es sich vor allem um trockene Lebensmittel handelt, ist die Haltbarkeit sehr hoch und mit der eines gewöhnlichen Supermarktes zu vergleichen. Obst und Gemüse mit kleinen Makeln werden in einer Kiste vor dir Tür gestellt und sind zum Verschenken gedacht. Eine solche Aktion kommt den Supermärkten erst gar nicht in den Sinn, durch ihre perfektionierte Lebensmittellogistik bleiben auch immer weniger Produkte für die Tafeln übrig.

 

Eigene Aufnahme, Bad Kreuznach den 07.02.20

 

Zukunftsfähiges Geschäftsmodell

Zum Thema Werbung lässt sich sagen, dass die Unverpackt-Läden stark in den sozialen Medien vertreten sind. Seit kurzem gibt es in Bad Kreuznach auch Werbeplakate, die immer mehr neugierige Kunden anlocken. Der Handelsumsatz steigt, denn immer mehr Leute interessieren sich für das nachhaltige und plastikfreie Einkaufen. So waren es 2018 nur wenige Ausnahmen und 2019 hat sich eine starke Stammkundschaft herauskristallisiert. Die Unverpackt-Läden werden von Einzelhändlern betrieben, welche sich in einem Verband zusammengeschlossen haben, um ihre Ziele und Werte gemeinsam umzusetzen.

Weitere Vorteile des Unverpackt-Ladens

Meines Erachtens ist es sehr wichtig beim Einkaufen so gut es geht auf Plastik zu verzichten oder es noch besser ganz zu ersetzen. Schließlich spielt nicht nur der Faktor Umwelt eine Rolle sondern auch unsere eigne Gesundheit. Vor allem in Drogerieprodukten steckt immer mehr Mikroplastik, was wir somit in Form von Shampoos oder Cremes indirekt in unseren Körper aufnehmen. Es macht genauso wenig Sinn, beim Einkaufen die Plastikverpackungen und somit den Müll zu bezahlen, um diesen anschließend wieder zu Hause zu entsorgen. Ein weiterer Vorteil des Unverpackt-Ladens ist, dass man nicht an Verpackungseinheiten gebunden ist. Man kann also selbst entscheiden welche Menge man von welchem Produkt benötigt. So ist es also möglich mal neue Produkte zu testen und sich mehr mit den Lebensmitteln auseinanderzusetzen, da sie nicht hinter irgendwelchen Verpackungen versteckt sind. Es ist nicht mehr erreichbar, dass die Bilder auf den Verpackungen zu einem Kauf locken, obwohl man den Artikel gar nicht benötigt. Man kauft also nur das ein, was man auch wirklich benötigt, was dem Massenkonsum entgegenwirkt und im Endeffekt auch Geld spart. Da die Behälter direkt im Laden befüllt werden, bleibt das nervige Ausräumen und Einfüllen zu Hause erspart. Sie können direkt in den Küchenschränken verstaut werden. Ein Nachteil ist jedoch, dass es keine Fleisch- oder Käsetheke  gibt, denn dafür existieren andere hygienische Bestimmungen und eine Kühltheke beansprucht viel Platz.

Vergleichseinkauf

Im Hinblick auf die Qualität und vor allem auf den Preis habe ich einen Vergleichseinkauf gemacht. Dazu habe ich die gleichen Produkte im Unverpackt-Laden und im Rewe eingekauft. Zur Qualität lässt sich sagen, dass die Produkte des Unverpackt-Ladens hochwertiger sind, was vor allem daran liegt, dass die Produkte auch Bio sind. Die Regionalität spielt natürlich auch eine große Rolle, denn so wird Frische garantiert. Erwähnenswert ist auch das große Angebot an Waren, die einen gesünderen Lebensstil auszeichnen wie z.B. Nüsse. Natürlich ist ein Einkauf im Unverpackt-Laden teurer als in einem Discounter oder einem gewöhnlichen Supermarkt, doch das liegt nun mal an der höheren Qualität der Produkte. Die Schokolade kostet pro 100g nur 10 Cent mehr, was wirklich ein minimaler Preisunterschied ist. Die Haarseife kostet 7,45€, was auf den ersten Blick zwar teurer ist, jedoch den Markenprodukten, die es in der Drogerie und im Supermarkt gibt, entspricht. Des Weitern ist die Verwendungsdauer einer Haarseife länger, als die eines flüssigen Haarshampoos. Zusammenfassend bedeutet das also, dass nicht alle Produkte des Unverpackt-Ladens wesentlich teurer sind und man an manchen Ecken sogar sparen kann. Dabei kann man noch gleichzeitig eine gesündere Ernährung anstreben und die Umwelt schonen.

 

Produkt Unverpackt Rewe
Müsli 2,37 € (ca. 500g) 1,39 € (500g)
Penne 2,21 € (ca. 600g) 1,59 € (500g)
Äpfel 1,57 € (ca. 600g) 1,79 € (800g)
Geschirrspülmittel 1,67 € (ca. 500ml) 1,49 € (500ml)
Haarseife/ Shampoo 7,45 € (pro Stück) 2,39 € (300ml)
Sonnenblumenöl 2,25 € (ca. 500ml) 0,99 € (1L)
Schokolade 1,49 € (100g) 1,39 € (100g)
Gesamtpreis 19,01 €. 11,03 €.

Eigener Vergleich

 

Unverpackt                                                              Rewe

   

Eigene Aufnahme, Bad Kreuznach den 07.02.20

 

Fazit

Meiner Meinung nach eignen sich die Unverpackt-Läden ideal für ein bewusstes und nachhaltiges Einkaufen. Das Angebot ist vielfältig, man hat alle Produkte die man wirklich benötigt und man lernt gerade im Drogeriebereich viele neue Angebote kennen. Wir alle haben die Verantwortung unsere Umwelt nicht noch weiter zu belasten und sollten gerade daher beim Einkaufen auf Plastik und andere unnötige Verpackungsmaterialien verzichten. Es ist jedem möglich wenigstens einen Teil seines Einkaufs in einem Unverpackt-Laden zu besorgen. So kann man sich mit kleinen Schritten diesem neuen Einkaufsstil nähern und im Bereich Nudeln, Müsli, Obst etc. „umsteigen“, denn der Trend zum nachhaltigen Einkaufen ist auf jeden Fall vorhanden und hat große Zukunft. Schließlich macht es viel mehr Spaß mit einem guten Gewissen einkaufen zu gehen.

 

 

Schreibe einen Kommentar