Gymnasium am Römerkastell Bad Kreuznach

Zu Besuch bei Martin Sonneborn im EU-Parlament (Straßburg)

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zur Europäischen Union fuhr der Leistungskurs Sozialkunde von Herrn Franke auf Einladung von Martin Sonneborn (Die Partei) ins Parlament nach Straßburg.

Das EU-Parlament, das die Schülerinnen und Schüler lediglich abstrakt als Institution aus dem Sozialkunde-Unterricht kannten, sollte durch die Exkursion als exemplarisches Beispiel für die Europäischen Institutionen greifbar werden. Da mit dem Satiriker und Abgeordneten Martin Sonneborn ein eher untypischer Gesprächspartner zur Verfügung stand, hatten sich die Jugendlichen im Vorfeld mit seiner Person und der politischen Satire auseinandergesetzt. Es folgt der Bericht der Sozialkunde-Praktikanten der Uni Mainz.

Zur Person Martin Sonneborn

Martin Sonneborn ist ein deutscher Journalist, Satiriker und seit 2014 auch Politiker. Nach seiner Schulzeit auf einem katholischen Privatgymnasium machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und studierte danach Germanistik, Publizistik und Politikwissenschaft. Seine Magisterarbeit schrieb er über das Satiremagazin „Titanic“,  das er von 2000 bis 2005 als Chefredakteur leitete. Mit provozierenden Beiträgen bewegte er sich dort bereits am Rande des satirisch Vertretbaren. Sonneborn verkörpert eine Persönlichkeit und ein Rollenverständnis zwischen Satire und Politik. Sein Auftrag dreht sich darum „mit komischen Mitteln einen aufklärerischen Moment zu schaffen.  Man [könne] auch einen Witz machen, den niemand versteht. Wichtig ist nur, dass sich danach einige fragen, was hat er gemeint?“.

2004 gründete er zusammen mit Redakteuren der Titanic „Die Partei“, Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Diese führt er seitdem als „GröVaZ“ (Größter Vorsitzender aller Zeiten) an. Neben seiner Partei- und Redakteurstätigkeit war Sonneborn von 2009 bis 2014 als Außenreporter der „Heute-Show“ beschäftigt. 2014 zieht er mit 184.709 Stimmen (0,6%) ins EU-Parlament ein. Seit Juli 2014 sitzt er dort als fraktionsloses Mitglied und engagiert sich im Ausschuss für Kultur und Bildung, dem Haushaltskontrollausschuss sowie der Delegation für die Beziehungen zur koreanischen Halbinsel.

Wie konnte er überhaupt ins EU-Parlament einziehen? Eine geforderte 3%-Hürde für EU-Abgeordnete kippte das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2014 und erklärte dies damit, dass die Chancengleichheit der Kandidaten über der Stabilität des Parlaments stehe. Dies ermöglichte ihm letztlich sein Mandat.

Sonneborn steht häufig in der Kritik. Es wird ihm vorgeworfen, er schade dem ohnehin schlechten EU-Image und betreibe lediglich Satire, statt politisch aktiv zu sein. Auch seine offene Bekundung, er stimme im EU-Parlament abwechselnd mit Ja und Nein, brachte ihm nicht nur positives Feedback. Zudem beziehe er volle Abgeordnetenbezüge ohne politische Arbeit zu verrichten, was der CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok einmal mit „er bekommt Geld fürs Nichtstun und blockiert einen Platz“ kommentierte. Einen Vorwurf, den Sonneborn etwa mit drei einminütigen Youtube-Videos aus seiner parlamentarischen Arbeit im EU-Parlament entkräftigt.

Satire

Auch Satire spielte im Vorfeld des Besuches eine Rolle. Sonneborn sieht sich mehr als Satiriker denn als Politiker. Das bringt mit sich, dass Sonneborn und seine politischen Ansichten nur schwer zu interpretieren sind. Auch der Übergang von Satire zu Ernsthaftigkeit ist nicht immer leicht zu erkennen, sodass er als politischer Akteur nur schwer einzuschätzen ist.  Warum also dann gerade Martin Sonneborn?

Die Schülerinnen und Schüler können eine andere, neue Sicht auf Politik gewinnen. Das Thema Satire ist zudem in Politik und Öffentlichkeit aktuell wie nie. Wie funktioniert Politik und wie Satire? Wie sind diese vereinbar? Diese Fragen und mehr sollen an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anknüpfen und das Interesse an Politik und an der politischen Praxis wecken. Im Rahmen des EU-Parlaments erhalten die Jugendlichen damit praktischen Bezug zum theoretischen Lernen in der Schule. Dadurch besitzt diese Exkursion sowohl einen pädagogischen, als auch einen didaktischen Mehrwert. Die Europäische Union erfahrbar machen und neue Perspektiven auf Politik entdecken, das ist mindestens der Anspruch der erlebnisorientierten Lehrfahrt.

Das Gespräch mit Sonneborn

Nach einer zweieinhalb-stündigen Busfahrt und ersten Erkundungen der Stadt sitzen die Schüler und Schülerinnen des Sozialkunde LKs in freudiger Erwartung in einem Besuchersaal des EU Parlaments. Martin Sonneborn lässt sich Zeit. Als schließlich die Tür aufgeht und er  sich mit einem Kaffee in der Hand vorne an den Tisch setzt, ist es mit einem Mal still. Als er zu sprechen beginnt, wird sogleich offensichtlich: er ist ganz in der Rolle des Satirikers. Manch einem fallen Standardfloskeln auf, die er schon oft im Fernsehen benutzt hat (beispielsweise wird der Abgeordnete Elmar Brok als „160 Kg eingefleischte CDU“ beschrieben). Auch die Youtube-Videos, die er zeigt, sind dem ein oder anderen schon bekannt. Doch das Gespräch ist nicht nur ein Live „Auftritt“ des Satirikers, sondern auch eine Möglichkeit, Sonneborn von einer anderen Seite kennenzulernen: er stellt sich ausgiebig den Fragen der Schülerinnen und Schülern, die natürlich seine Aufgabe im EU-Parlament kritisch hinterfragen.

Ist er nicht auch Politiker, wenn er als Abgeordneter im Parlament sitzt? Sonneborn schafft es, im Laufe des Gesprächs zu verdeutlichen: Er sieht sich in erster Linie als Satiriker, der mit satirischen Mitteln Bericht erstatten möchte über die Vorgänge im EU-Parlament. Er macht auf eine EU mit teils verrückten Abgeordneten aufmerksam, die große finanzielle Mittel besitzt und dementsprechend handeln könnte - jedoch das Ziel oft verfehlt.
Grenzen in der Satire gibt es für Martin Sonneborn nicht. An diesem Punkt nimmt er auch eine klare Haltung zu dem Schmähgedicht Böhmermanns ein. Generell ist es diese klare Haltung, die ankommt und gefällt. Sonneborn bezieht politisch Stellung zu Martin Schulz („Der bessere Kandidat“) oder zu der Immunitätsaufhebung Marine Le Pens („Hier habe ich mal nicht abwechselnd mit Ja oder Nein gestimmt“). Sonneborn nimmt sich schließlich über eine Stunde Zeit für die Schülerinnen und Schüler und beantwortet die Fragen ausführlich und humorvoll.

Was bleibt von diesem Gespräch? – Es ist sicher die Einsicht, dass Martin Sonneborn weit mehr ist als ein deutscher Satiriker, der hin und wieder für Aufsehen sorgt. Sonneborn vermittelt eine heitere, aber auch tiefgründige Art und Weise, Politik zu sehen. Er ist ein demokratischer, proeuropäischer Bürger. Einer, der nicht wegsehen möchte angesichts der immer komplexer werdenden Welt. Einer, der eine klare Botschaft an die Jugend von heute aussendet: Engagiert Euch, sei es politisch oder satirisch- alles andere „endet sonst im Alkoholismus oder im bewaffneten Widerstand“ (Sonneborn, a.a.O).

Nach dem beeindruckenden persönlichen Gespräch mit Martin Sonneborn führt dessen Büroleiter die Schülerinnen und Schüler durch das lichtdurchflutete Hauptgebäude des Europäischen Parlamentes, das nach Louise Weiss, einer französischen Journalistin und Europapolitikerin der ersten Stunde benannt ist. Das Highlight dieses Gebäudes ist sicherlich der imposante Plenarsaal.  Die Schülerinnen und Schüler erhalten somit die Gelegenheit in die einmalige Atmosphäre des größten internationalen Parlaments der Welt einzutauchen.

Straßburg – Eine Stadt, die man gesehen haben muss

Bei der anschließenden Bootsfahrt über die Ill kann der Kurs Straßburg ein wenig näher kennenlernen. Über Kopfhörer wird eine Stadtführung der besonderen Art geboten: Viele historische Sehenswürdigkeit liegen direkt am Ufer der Ill. So können die Teilnehmer  zum Beispiel die historische Altstadt „Grande Ile“ (seit 1988 Weltkulturerbe) vom Wasser aus sehen, da diese von der Ill umflossen wird. Besonders zu erwähnen sind außerdem die malerischen Fachwerkhäuser und die vielen einzigartigen Brücken, die Straßburg ein charakteristisches Bild verleihen. Das EU-Parlament und das „Arte“-Gebäude des Fernsehsenders sind zwei weitere Highlights, die ebenfalls beide am Ufer der Ill liegen.

Nicht ganz zu Unrecht gilt Straßburg als die „Hauptstadt Europas“. Viele junge Menschen prägen die Stadt und der Einfluss der Europäischen Institutionen ist unverkennbar. Bei Sonnenschein und blauem Himmel zeigt sich Straßburg bei unserem Besuch von der besten Seite. Das Ufer der Ill lädt zum Erholen und Verweilen ein; die Innenstadt zum Bummeln und Genießen französischer Spezialitäten. Straßburg hält sicherlich noch viele Ecken bereit, die man beim nächsten Besuch mit mehr Zeit erkunden muss!

(Michele Gillmann, Marie Mußler, Nilay Özcay, Florian Rapp, Andreas Rinck, Felix Schweitzer)

    

Schule Gymnasium Bad Kreuznach Röka