Gymnasium am Römerkastell Bad Kreuznach

Missiotruck

Marcus Composs vermeidet den Ausdruck „Computerspiel“, wenn er den Schülern eine Handhabe durch die sieben Räume des Missio-Trucks auf den Weg gibt. Denn um ein Spiel handelt es sich keineswegs. Bei dieser interaktiven Computersimulation haben die Jugendlichen zumindest ansatzweise die Möglichkeit in die Situation von Flüchtlingen einzufühlen bzw. diese nachzuvollziehen. Flucht hautnah erleben? Ist Das überhaupt möglich? In dem Gemeinschaftsprojekt von der IGS Sophie Sondhelm und dem Gymnasium am Römerkastell gibt man sich zumindest Mühe, den Jugendlichen das komplexe Thema näherzubringen. Damit tragen die verantwortlichen Pädagogen auch der Tatsache Rechnung, dass vor wenigen Jahren in der dortigen Turnhalle monatelang Flüchtlinge untergebracht waren. Der sogenannte Missio-Truck stand nun wenige Meter von eben dieser Turnhalle entfernt.

Was heißt es flüchten zu müssen? Was haben unsere Smartphones mit dem Krieg im Kongo zu tun? „Wir halten die Aktion für sehr wichtig, gerade weil wir 2015 da sehr involviert haben“, erklärt die Pädagogin Annette Reifenberg vom Gymnasium Römerkastell.

Am Eingang des Trucks ist der typische Marktstand in einem schwarzafrikanischen Land aufgebaut. Rote Linsen, getrocknetes Obst, Bohnen, Hirse, Erdnüsse, aber auch einzeln in Plastik verpackte teure Süßigkeiten werden angeboten. Ein Zimmer weiter ist ein Kirche nachgebaut und aus dem Fenster kann man durch eine Computeranimation marodierende afrikanische Soldaten dabei beobachten, wie sie wahllos schießend durch ein Dorf marschieren. Die Jugendlichen haben unter acht Biographien einen sogenannten Avatar ausgewählt. Ein Avatar ist eine künstliche Person, in dessen Rolle man schlüpft. Aus dessen Sicht erleben die Kinder Bürgerkrieg und Flucht aus verschiedenen Sichtweisen.

Außerdem werden über die globalen Zusammenhänge zwischen unserem Konsum und dem militärischen Auseinandersetzungen sowie deren ökonomischen und religiösen Hintergründe informiert.

„Wir waren im Voraus über das Thema in den verschiedenen Fächern sehr gut von der Schule vorbereitet gewesen“, erklärt Madline Emrich. Für Konrad Lunkenheimer aus der 12. Klassenstufe war die Aktion ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung zu dem komplexen Thema, aber er hätte sich gewünscht zu erfahren, ob die Flucht seines Avatars auch geglückt sei.  

Zahlreiche Schüler aus der IGS und dem RöKa besuchten den Missio-Truck, um sich in einer interaktiven Computeranimation über die Situation von flüchtenden Menschen im Kongo zu informieren. Fotos: Kai Sieben

 

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