Gymnasium am Römerkastell Bad Kreuznach

Sezieren eines Gehirns - Ein Schülerbericht

Im Biologie - Leistungskurs 12 von Frau Riedl

Um das Gehirn genauer verstehen zu können, haben wir letztens in einer Biologie-Doppelstunde Schweinegehirne seziert. Dies ist möglich, weil die Säugetiergehirne allgemein sehr ähnlich sind. Dabei bekam jeder zwei Gehirnhälften, die in einer Sezierschale mit Skalpell und Pinzette untersucht werden sollten. Durch die Hygienevorschriften waren Handschuhe unbedingt Pflicht.
Jedoch fehlten bei diesen Schweinegehirnen einige Teile. Zum einen der Riechkolben, der Sehnerv und das Kleinhirn, welches wir aber extra bekommen haben.

  

1.  Schritt: Abziehen der Gehirnhaut

Mit einer Pinzette wurde die dünne Hirnhaut, welche außen am Gehirn liegt, abgezogen. Man erkennt die dünnen Blutgefäße in dieser Haut, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Außerdem sind die Furchen, bzw. die Furchenbildung des Gehirns gut erkennbar. Diese bieten eine größere respiratorische Oberfläche und damit mehr Platz für weitere Nervenzellen.

 2. Schritt: Umdrehen des Gehirns und Reste entfernen

Die Gehirne werden mit einem Schnitt durch die Mitte geteilt (Medianschnitt). Trotzdem kann es passieren, dass noch Reste der anderen Gehirnhälfte übrig bleiben. Diese mussten dann entfernt werden, um die Gehirnhälfte weiter betrachten zu können.

Um das Gehirn vor Stürzen zu schützen, mit Nährstoffen zu versorgen und Stoffwechselprodukte abzutransportieren, werden die Ventrikel, die genauso wie der Bereich unter der Schädeldecke mit Liquor (Hirnflüssigkeit) gefüllt sind. Die Ventrikel stehen untereinander, also mit den inneren Ventrikeln und dem äußeren Liquorraum in Verbindung. Somit ist das Gehirn vollständig mit der Flüssigkeit umgeben.

     

 3. Schritt: Das Kleinhirn untersuchen

Das Kleinhirn koordiniert unsere Bewegungsabläufe und die Aufrechterhaltung der Körperstellung (Gleichgewicht). Genauso wie am Großhirn sieht man eine Furchenbildung, aber nur bei den Tieren mit komplexeren Bewegungsabläufen.

 Das Kleinhirn besteht aus zwei Schichten, die äußere graue/rosa Schicht und die innere weiße Schicht. Die weiße Schicht besteht hauptsächlich aus Axonen, die für eine Weiterleitung der Signale zuständig sind. Die Schicht ist deshalb weiß, weil die Axone meist mit Gliazellen (Markscheiden) umhüllt sind. Das sorgt für eine schnellere Weiterleitung. Die Zellkörper, welche die Reize weiterverarbeiten, mit Dendriten und Synapsen, die die Reize von einem Neuron zum anderen Neuron übertragen, liegen hauptsächlich in der grauen/rosa Schicht.

  

4. Schritt: Querschnitt durchs Großhirn

Beim Querschnitt durch das Großhirn fällt auf, dass auch dieses eine weiße und graue/rosa Schicht besitzt. Beide haben die gleichen Funktionen, wie beim Kleinhirn. Deswegen war es auch leicht, die Funktion des Balkens herauszufinden. Diese ist nämlich für das Übertragen der Informationen zwischen den zwei Gehirnhälften verantwortlich. Weil der Balken auch eine weiße Farbe aufweist, lässt sich daraus schließen, dass auch er aus Axonen besteht.

  

 5. Schritt: Erkennen der Vierhügelplatte

Normalerweise sollte dann das Kleinhirn vom Großhirn abgetrennt werden, doch das Kleinhirn unserer Schweinegehirnhälfte war schon abgeschnitten worden. Vermutlich haben wir deswegen nicht die zwei Hügel der Vierhügelplatte erkannt. Die Vierhügelplatte ist das Dach des Mittelhirns und verarbeitet optische und akustische Informationen. Zudem werden Orientierungsreaktionen ausgelöst, beispielsweise die Hinwendung zu einem Geräusch oder einer Lichtquelle.

6. Schritt: Abtrennen des Stammhirns

Um den Hippocampus sehen zu können, muss zuerst das Stammhirn nach außen aufgeklappt und herausgetrennt werden. Nachdem wir dies getan haben, sahen wir leider nichts. Wir sollten eine parallel verlaufende strangartige Struktur erkennen. Die Form des Querschnitts wird mit einem Seepferdchen verglichen, daher hat der Hippocampus auch seinen Namen. Er ist zuständig für das Abrufen und Bilden von Erinnerungen, die Weiterleitung vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis und die Verarbeitung räumlicher Zusammenhänge.

Insgesamt hat das Sezieren sehr viel Spaß gemacht. Man hat interessante Einblicke in das Gehirn bekommen, die Arbeitsblätter nicht hätten vermitteln können. An einigen Stellen war es jedoch sehr schwer, die besagten Strukturen zu erkennen. Trotzdem war es äußerst lehrreich und man konnte die erlernte Theorie praktisch gut anwenden.

Von Franziska W. und Melina F.

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