Gymnasium am Römerkastell Bad Kreuznach

Theater der besonderen Art als kommunikativer Türöffner

Selbstreflexion und Persönlichkeitsstärkung werden im Rahmen der Suchtprävention am Gymnasium am Römerkastell in Bad Kreuznach ganz großgeschrieben.

Spritzig-spontan, ideenreich, auf hohem Niveau und zugleich schülernah – so präsentierte sich das seit 1995 bestehende Improvisationstheater RequiSiT am Röka in Bad Kreuznach am 1. Februar 2019 der Jahrgangsstufe 9. Wenn sich 112 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen auf dem Weg durch das Schulhaus zu einer Theaterveranstaltung befinden, geht es dabei nicht immer leise zu. Vor dem Musiksaal verstummten die Gespräche aber abrupt, weil meditative Saxophonklänge die Jugendlichen in ihren Bann zogen. Die Mitglieder des Theaters RequiSiT schufen gleich zu Veranstaltungsbeginn eine ganz besondere Atmosphäre, die während der eineinhalbstündigen Veranstaltung gehalten wurde.

„Unglaublich sympathische Leute mit gutem Humor, die altersgemessen mit uns umzugehen wissen“, urteilte Leon aus der 9d über das Ensemble. Bereits zum vierten Mal begrüßte Schulleiter Ludger Föhrenbacher das Theater RequiSiT aus Hattersheim unter der Leitung der Diplom-Theaterpädagogin Nora Staeger am Röka in Bad Kreuznach. Zusammen mit den ehemals suchtmittelabhängigen Ensemblemitgliedern führte die krankheitsbedingt leider auf 5 Mitglieder reduzierte Truppe ihr Programm „Erst schlapp gelacht, dann nachgedacht!“ vor den 9. Klassen auf: Ein Improvisationstheater, das die Schüler lockern und als kommunikativer Türöffner für die anschließenden Diskussionsrunden dienen soll. Alle Themen und Begriffe rund um die Wortfelder Sucht und Abhängigkeit waren dabei allerdings tabu. „Es geht darum, Vertrauen aufzubauen und den SchülerInnen zu zeigen, dass wir sie ernst nehmen. Sie geben die Themen vor, die wir dann spielen, es ist ihr Theater“, verdeutlicht Leiterin Nora Staeger.

Zunächst wurden die Neuntklässler in einer Warm-up-Phase auf die kommenden Improvisationsszenen eingestimmt, indem sowohl unterschiedliche Applausstufen geübt als auch Assoziationen zu Alltagssituationen oder Örtlichkeiten gefunden werden mussten. Mit großem Engagement und leidenschaftlicher Begeisterung warfen die SchülerInnen der 9. Jahrgangsstufe die geforderten Begriffe den Akteuren entgegen, die daraus dann aus dem Stehgreif zum Teil kuriose Szenen gestalteten. Von Schülerseite wurde insbesondere die gelungene Interaktion zwischen den Schauspielern selbst und das Miteinander zwischen Schüler und Darsteller lobend hervorgehoben: „Es macht einfach nur Spaß und wir werden ernst genommen, selbst wenn ein von uns genanntes Wort nicht direkt im Fokus der Szene steht, wird es im Kontext berücksichtigt“, so Louis (9d). Ebenso beeindruckend für Lehrer und Schüler war der Aufbau einer neuen Küche, der in unterschiedlichen Grundstimmungen wie Horror-Drama-Erotik und Romanze dem Publikum dargeboten wurde. Sophie  (9c), Marlon  (9d) und Justin (9a) zollten ihren vollen Respekt davor, dass „man ohne Requisiten nur mithilfe von Mimik und Gestik solch tolle Szene gestalten kann und dies als nicht ausgebildete Schauspieler.“

Aber wo wird nun der Bogen zum Thema „Suchtprävention“ gezogen? Nach dieser interessanten Performance diskutierten die SchülerInnen in drei Gruppen ohne Lehrer mit den Ensemblemitgliedern über Umgang mit und Konsum von Suchtmitteln. Hierbei konnten alle Fragen offen gestellt werden und die Schüler erhielten auch aufgrund der Biographien der Akteure authentische und aufrichtige Antworten.

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre zieht Daniela Mees als Suchtpräventionsbeauftragte das Fazit, dass gerade diese Veranstaltung, die ohne trockene Fakten auskommt und nicht mit dem erhobenen pädagogischen Zeigefinger agiert, eine nachhaltige Wirkung in der Schülerschaft zeigt. Hier wird das Reflexionsvermögen der SchülerInnen geschult und sie werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Damit, so ist sich Studiendirektorin Barbara Grötecke ganz sicher, fügte sich die Veranstaltung des Theater RequiSiT nicht nur wegen ihrer hohen Professionalität und überzeugenden kreativen Leistung, sondern aufgrund der pädagogischen Zielsetzung in das pädagogische Gesamtkonzept des Gymnasiums am Römerkastell ein.

Ein ganz besonderer Dank gilt der R&V Betriebskrankenkasse, die das Projekt finanziell maßgeblich unterstützt hat.

So freuen wir uns darauf, wenn auch im nächsten Schuljahr wieder laute Schülerrufe wie „5,4,3,2,1 los!“ das Theater RequiSiT am Röka anfeuern!

Von Daniela Mees

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