Gymnasium am Römerkastell Bad Kreuznach

Schulgarten - Pädagogisches Konzept

Seit etwa einem Jahr beschäftigt sich das „Schulgarten-Team“ (aktuell bestehend aus neun Lehrerinnen und Lehrern unterschiedlicher Fachrichtungen und der Schulökotrophologin) intensiv mit der Planung eines Schulgartens und in diesem Zusammenhang mit dessen Finanzierung und der Erarbeitung eines passenden pädagogischen Konzepts.

Wir stehen dabei ständig in Kontakt zu interessierten Schülerinnen, Schülern und Eltern. Die Planung und deren schrittweise Umsetzung erfolgt natürlich immer in Absprache mit der Schulleitung und dem Schulträger (Kreisverwaltung Bad Kreuznach). Der jeweilige Planungsstand kann von allen Interessierten über die Schulhomepage verfolgt werden (wird regelmäßig aktualisiert).

Auf das Röka gehen etwa 1150 Schülerinnen und Schüler, sie werden von etwa 100 Lehrkräften und Referendaren unterrichtet. Das Gymnasium im Stadtrandgebiet von Bad Kreuznach ist seit dem Schuljahr 2010/2011 Ganztagsschule in Angebotsform, das bedeutet, dass es Ganztagsklassen und Halbtagsklassen gibt. Verpflegt werden die Schülerinnen und Schüler in der „neuen Mensa“. Derzeit erfolgt der Ganztagsunterricht in den Klassen 5-7 rhythmisiert, das bedeutet, dass sich Lern- und Entspannungsphasen den Tag über abwechseln. Neben dem Fachunterricht finden u.a. auch Arbeitsgemeinschaften statt. Der Schulgarten am Röka könnte den naturwissenschaftlichen Unterricht (Nawi; Biologie) enorm bereichern (siehe S.3). Außerdem bietet er die Möglichkeit, sowohl für Halbtags-, als auch für GTS-Klassen eine „Schulgarten-AG“ anzubieten. Unabhängig davon könnte der Garten als Rückzugs-und Erholungsort und als gemeinsamer Treffpunkt dienen. Schon jetzt wird das ehemalige Hausmeisterhäuschen und der daran angrenzende zukünftige Schulgartenbereich von Kollegen(innen) als ruhiger Arbeitsplatz zum Korrigieren, zum Ausruhen in der Mittagspause oder für Team-Besprechungen genutzt. Dafür sind beispielsweise Sitzmöglichkeiten auf der Terrasse des Schulgartens geplant (siehe Anhang), die natürlich auch als Arbeitsplatz im Freien für die Schulgarten-AG genutzt werden können. Zudem soll unser Schulgarten durch eine Grillstelle und weitere Sitzgelegenheiten ergänzt werden, die zum Feiern von z.B. Klassenfesten einladen. Kleine Schulkonzerte könnten hier stattfinden oder der Garten könnte als Ausstellungsort für Kunstobjekte zur Verfügung gestellt werden. Bei allen Ideen muss eine Überbelegung des Gartens und damit die Schädigung der naturnahen Lebensräume vermieden werden. Der Schulgarten soll also für Unterrichtszwecke genutzt werden, aber auch ein Ort der Erholung und des Genießens werden, sowohl für die Schüler/innen, als auch für die Lehrkräfte des Röka. In jedem Fall soll der Röka-Garten zukünftig ein wichtiger Bestandteil des Schullebens werden.

Ganzheitlicher Ansatz

Unser Ziel ist es einen nach ökologischen Gesichtspunkten angelegten Biotopgarten anzulegen, der um Elemente von Nutz- und Versuchsgärten ergänzt und erweitert werden soll. Die Einbeziehung eines durch Schüler/innen selbst angelegten und bewirtschafteten Schulgartens in den Unterricht kommt den modernen Ansprüchen an einen lebensnahen, handlungsorientierten Unterricht nach. Mit der Einrichtung eines Schulgartens an unserem Gymnasium möchten wir einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der neben dem Aspekt des naturwissenschaftlichen Forschens und Lernens auch Aspekte der Gesundheitserziehung (gesunde Ernährung) und Förderung des sozialen Zusammenlebens an unserer Schule vereinigen soll. Es gehört zu unserem Konzept, dass für die Anlegung des Schulgartens möglichst viele recycelte und natürliche Materialen verwendet werden („plastikfreier Schulgarten“). Zudem lassen wir bewusst Bereiche ungenutzt bzw. pflegen diese nur extensiv, damit Rückzugsräume für heimische Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben. Diese Refugien können auch als Untersuchungsflächen für naturwissenschaftliche Forschungsarbeiten dienen. Die Schulgarten-Pflege soll ohne den Einsatz von Spritzmitteln und Kunstdünger erfolgen. Im Folgenden werden die einzelnen Teilaspekte unseres Konzeptes vorgestellt und im Gesamtzusammenhang erläutert.

Besondere Bedingungen durch Bodenbelastung

Das Schulgelände befindet sich nach Aussage des Schulträgers (Kreisverwaltung Bad Kreuznach) in einem Gebiet, das stark bodenbelastet ist. Aus diesem Grund wurde bereits vor einigen Jahren die Idee, einen Schulgarten am Röka anzulegen, wieder zerschlagen (vgl. Protokoll Gesamtkonferenz vom 24.05.2013). Zunächst schien auch der erneute Versuch, dieses Projekt auf vielfachen Wunsch von Schülern und Lehrern doch noch in die Tat umzusetzen, zum Scheitern verurteilt. Fest steht, dass unter diesen Bedingungen zwar Beete zur Verschönerung des Schulgeländes und auch sogenannte Zeigerpflanzenbeete für Unterrichtszwecke angelegt werden können. Das Kultivieren von Nutzpflanzen ist in diesem Boden jedoch nicht möglich! Ein Austausch des Bodens kam aus Kostengründen leider nicht in Frage. Aber was ist das für ein Schulgarten, in dem nicht genascht und geerntet werden darf…?! Deshalb suchte das aktuelle Röka-Schulgartenteam nach Lösungen und kam (in Abstimmung mit der Kreisverwaltung Bad Kreuznach) für den Anbau von Nutzpflanzen zu folgendem Ergebnis:

  • Pflanztöpfe, Joghurtbecher etc für die Ansaat / das Vorziehen von Nutzpflanzen
  • Selbstgebaute Hochbeete für Salat, Gemüse etc.
  • Ein mobiler „Kistengarten“ für kleinere Nutzpflanzen
  • Eine Kräuterspirale für Duftpflanzen, Küchenkräuter, Heilkräuter

Die verantwortungsvolle Gartennutzung stellt im Falle des Rökas folglich eine echte Herausforderung dar, denn sie ist immer eng an die Vorgabe gebunden, die Gesundheit der Gartennutzer nicht durch den belasteten Boden zu gefährden. Dies macht die Planung und deren Umsetzung zwangsläufig komplexer, zeitaufwendiger und kostenintensiver als die für einen vergleichbaren Garten auf unbelastetem Boden.

Bezug zum Unterricht/ Lehrplan

Die Anlegung des Schulgartens als naturnahen Biotopgarten ist wichtige Grundlage unseres pädagogischen Konzepts, da hierdurch Exkursionen - insbesondere bei jüngeren Klassen - sinnvoll ergänzt werden können und ein praxisnaher Unterricht im Freien erleichtert und gefördert wird.

Ein solcher Schulgarten vereinigt die verschiedensten Lebensräume (Feucht-/Trockenbiotope; voll besonnte/beschattete Biotope) auf engstem Raum. Die Schüler/innen könnten also ohne viel Aufwand verschiedene Lebensräume und die spezifische Angepasstheit ihrer Lebewesen an die jeweilige Umgebung erkunden. Der Schulgarten ermöglicht Echtbegegnungen mit der Natur, die emotionale Beziehung zu der Umgebung der Schüler/innen wird intensiviert. Die Schüler/innen übernehmen Verantwortung für den von Ihnen gepflegten Lebensraum. Dadurch wird das Erreichen eines der Hauptziele des Biologieunterrichts gefördert: die Freude und das Interesse an der Natur zu wecken und mit der Erweiterung der Artenkenntnisse den Naturschutzgedanken zu entwickeln[1]. "Nur was der Schüler/die Schülerin kennt, schätzen und lieben gelernt hat, wird er/sie auch für schützenswert erachten[2]".

Der Schulgarten lässt Schüler/innen die verschiedenen Wechselbeziehungen zwischen den Arten erfahren: Durch Beobachten von Insekten auf der Magerwiese, im Nutzgarten oder dem Staudenbeet kann zum einen studiert werden, welche Blütengruppe von welchem Insektentyp bestäubt wird (Basiskonzept Struktur-Eigenschaft-Funktion), zum anderen macht es die Abhängigkeit des Menschen von diesen Tieren deutlich: Ohne die Bestäubung durch Insekten wäre das Ernten von Obst und Gemüse nicht möglich! Es eröffnet die kritische Auseinandersetzung über den Umgang mit der Natur durch den Menschen und zeigt Interessenkonflikte auf, die in Gruppen diskutiert werden können.

Es lassen sich vielfältige Bezüge zu den Lehrplänen der verschiedenen Jahrgangsstufen herstellen. Nachfolgend sind beispielhaft einige Lehrplanthemen mit Bezug zum Schulgarten aufgelistet. Folgende Basiskonzepte werden angesprochen: Struktur und Funktion, System, Entwicklung, Energie.

a. Unterstufe Nawi 5 / 6
Klasse 5: Themenfeld 4: Pflanzen, Tiere Lebensräume
Klasse 6: Themenfeld 8: Körper und Gesundheit

b. Mittelstufe:
Themenfeld 1: Vielfalt
Themenfeld 2: Vielfalt und Veränderung (Züchtungen)
Themenfeld 4: Pflanzen, Pflanzenorgane, Pflanzenzellen – Licht ermöglicht Stoffaufbau
Themenfeld 5: Ökosysteme im Wandel
Themenfeld 8: Sport und Ernährung

c. Oberstufe
Leitthema 2: Stoffwechsel und Energiefluss lebender Systeme
Ernährung, Grundumsatz
Leitthema 3: Umwelt- und Innenwelt lebender Systeme (Ökologie)
Erkundung eines Ökosystems ; Zeigerwerte nach Ellenberg (Zeigerpflanzenbeet); Umweltschutz vor Ort
Leitthema 5: Vererbung und Selbstorganisation lebender Systeme (Züchtung; Gentechnik)

d. Fächerübergreifend (Kunst, Erdkunde, Chemie, Deutsch, Ethik, Mathe,…)

Wissenschaftliches Arbeiten
Der Schulgarten bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Untersuchungen im Freiland (außerhalb der Fachräume) durchzuführen und für Wettbewerbe und Facharbeiten zu nutzen: z.B. Schüler experimentieren; JuFo; Umweltpreis Rheinland-Pfalz u.a. Diese Möglichkeiten im Freien zu forschen und zu arbeiten würden mit dazu beitragen, die naturwissenschaftlichen Fächer am Röka zu stärken.

„Der Weg vom Samen bis zum Tellergericht“

Praktischer Ansatz, Pflanzenbau und -verarbeitung

Das Lebensmittelangebot und die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt, z. B. hat der Verzehr von Fast Food und Convenience Produkten zugenommen, zudem sind wir mit ernährungsassoziierten Problemen wie Übergewicht konfrontiert (Nationale Verzehrsstudie (NVS) II). Ein Bewusstsein bei den Schüler/innen unserer Schule für eine gesunde Ernährung zu schaffen ist aus diesen Gründen von großer Bedeutung.

Der Schulgarten bietet die Möglichkeit Schüler/innen mit unverarbeiteten Lebensmitteln in Berührung zu bringen und ein praktisches Verständnis für regionales sowie saisonales Obst und Gemüse oder „vergessene“ Obst- und Gemüsesorten zu  bekommen3. Schüler/innen können die gesamte Wertschöpfungskette verfolgen, d. h. sie bauen ihre Lebensmittel selbst an und können zugleich eigenständig die „Früchte“ ernten. Die schuleigene Lehrküche ermöglicht es den Schüler/innen ihre Ernte zu verarbeiten und sie für den „echten“ Geschmack frischer Küche zu sensibilisieren. Auf diese Weise wird kulinarische Ernährungsbildung in das Schulleben integriert.

Zugleich ist der Schulgarten für die Vernetzung von Mensa und Schule nutzbar. Das angebaute Obst und Gemüse soll in Absprache der Mensa geliefert werden und für die Zubereitung des Mittagessens verwendet werden.

Naturschutz, ökologischer Landbau, Ressourcenschonung

Über die biologische Bewirtschaftung des Schulgartens wird den Schüler/innen ein Verständnis für einen angemessen Umgang mit ihrer Umwelt vermittelt[3]. Des Weiteren bietet der Schulgarten die Möglichkeit aktuelle Themenfelder wie ökologischer vs. konventioneller Landbau, Gentechnik oder omnivore vs. vegetarische Ernährung zu behandeln. Der Fleischkonsum in Deutschland ist bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor zu hoch, hingegen werden zu wenig pflanzliche Lebensmittel verzehrt (NVS II). Im Schulgarten steht die Erzeugung pflanzlicher Produkte im Vordergrund, wodurch Schüler/innen z. B. auch über die Auswirkungen verschiedener Anbauverfahren und Ernährungsweisen auf die Umwelt aufgeklärt werden können.

Langfristige Planung

Um ein langfristiges Fortbestehen des Schulgartens zu gewährleisten ist neben der regelmäßigen Pflege während der Schulzeit die Pflege in der unterrichtsfreien Zeit zu organisieren. Folgende Ideen und Überlegungen wurden vom Schulgartenteam bereits angestellt[4] und sollen in den nächsten Wochen konkretisiert werden: Hauptverantwortlich für die Pflege des Gartens soll eine neugegründete Schulgarten-Arbeitsgemeinschaft (AG) sein, bestehend aus Schüler/innen verschiedener Jahrgangsstufen, angeleitet durch mehrere Lehrkräfte. In Zusammenarbeit mit dem Kollegium und der Schulgarten-AG soll ein Arbeitsplan für das „Gartenjahr“ mit fest verteilten Aufgaben für Anbau und Pflege ausgearbeitet werden. Der Plan soll zur besseren Organisation der Bewirtschaftung und Nutzung des Schulgartens dienen. Zudem ist angedacht einen Belegungsplan zu erstellen, sowie einen Schulgarten-Ordner anzulegen, beides soll die zukünftige Schulgarten-Arbeit erleichtern. Um die Pflege des Gartens auch in der unterrichtsfreien Zeit gewährleisten zu können, soll es – neben der Installation einer Bewässerungsanlage – Pflegepatenschaften geben. Hauptsächlich soll diese Arbeit über die Schulgaren-AG realisiert werden, zudem möchten wir z.B. auch Eltern und Großeltern für die Schulgarten-Arbeit begeistern und ggf. mit in die Pflege des Gartens einbeziehen. All diese sowie weitere Überlegungen werden in den nächsten Monaten präzisiert.

I. Wenz, S. Winter und K. Witte

vom Schulgartenteam

Luftbild des Schulgartengeländes

Plan des zugünftigen Röka-Schulgartens

 

 

[1] Killermann W. [u.a.]: Biologieunterricht heute. Eine moderne Fachdidaktik. Augsburg: Auer Verlag, 2013, S. 37
[2] Ebd., S37f 
[3] Ebd., S. 35-39
[4] Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz: Praxisratgeber Schulgarten. Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bad Kreuznach, 2013

   

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